Way of Council
Grundsätzliches zum Way of Council
„Council“ ist eine nichthierarchische gewaltfreie Kommunikationsform in Gruppen, die das Zuhören in den Mittelpunkt stellt und mit „zu Rate sitzen“ übersetzt werden könnte.
Die Ojai Foundation in Kalifornien, hat „Council“ in jahrzehntelanger Forschung und Praxis, zu einem modernen Handwerkszeug für die Gestaltung von Prozessen, Krisen und Konflikten, sowie zur Würdigung von Erreichtem, weiterentwickelt.
Ausbildung zum / zur Council Leiter/in/Council Trainer/in
In Kooperation mit der
Ojai Foundation (www.ojaifoundation.org) und der
School of Lost Borders (www.schooloflostborders.com)
bietet das Eschwege Institut dazu eine Reihe von Fachthemenseminaren an:
Seminarbeschreibungen
Flesh and Spirit - Council für Paare
Dieses viertägige Erfahrungswochenende ist sowohl ein Retreat der Nähe als auch eine forschende Auseinandersetzung mit dem heiligen Tanz, dem Mysterium der Nähe in Beziehungen.
Es ist eine Gelegenheit Deine Beziehung zu Deinem Partner, in einem kleinen Kreis von (8) Paaren zu feiern und zu vertiefen.
Dieses Seminar könnte Dir Werkzeuge an die Hand geben, die Dir helfen mehr Vision, Inspiration und Lebendigkeit in Deine Beziehung zu bringen und euch gegenseitig darin zu unterstützen das Leben zu verwirklichen das ihr wollt.
| Termin: | 24. (16:30)–27.06. (17:00) 2010 |
|---|---|
| Leitung: | AMBER McINTYRE & DAVID 'JESSE' JESSUP |
| Kurssprache: | Englisch |
| Kursgebühr: | 295,- €, + Unterkunft u. Vollverpflegung |
| Kursort: | Eschwege-Institut |
AMBER McINTYRE
Die südafrikanische Mutter, Großmutter und Council Trainerin lebte mit ihrem Mann Jesse 10 Jahre in den USA, wo sie Mitglied von Leitungsteam und Fakultät der Ojai Foundation in Kalifornien war. Sie hat 15 Jahre Erfahrung in der Gestaltung und Durchführung von Councils und Trainings.
DAVID 'JESSE' JESSUP
Jesse, Vater und US-Amerikaner lebt mit Amber in Südafrika. Psychologiestudium an der Universität von San Diego. 25 Jahre Erfahrungen in Paar-Arbeit und Wildnisreisen. Der rote Faden, der sich durch zieht ist der „Way of Council“ als tausendfach erprobtes Fundament auch in der Beziehung zu Amber, mit der er seit 1993 zusammenlebt.
Beide wurden von Jack Zimmerman und Jaquelyn McCandless ausgebildet, die das Programm „Flesh & Spirit“ entwickelten und das gleichnamigen Buch verfassten.
Seminarinhalt FLESH AND SPIRIT
FLESH AND SPIRIT at it's very core is about Council for couples - listening and speaking from the heart - holding the space for another's heart and learning to become more aware of the spiritual aspect of the partnership that guides each one. It is the voice that asks us "What does this relationship need? How does it serve our world?" So the main tool is Dyadic Council which each couple gets to experience witnessed by a small group of couples. Dyadic Council provides sacred space for sharing deep issues and feelings. The couples can then incorporate this practice into whatever they already do at home.
The idea is about creating a 'transcending relationship' - one in which each partner grows beyond their conditioning and patterns and is encouraged to be all that they can be. It's like 'loving each other free'. The weekend includes energy practices which help open the heart to each other as well as to become more aware of the subtle energy fields which we are made of. We find that these practices enhance the erotic energy that may otherwise be blocked or ignored in the relationship through disagreements or boredom.
They offer additional ways of playing with one's partner, of connecting with one's beloved, of honouring the Divine Man and the Divine Woman in each of us, opening us to a growing awareness that by coming into unity with another we are truly coming home to our true selves.
The weekend is about renewal - beginning again for those who want to go deeper. For those who are having problems, it is about learning a tool to communicate what is troubling them, while tapping into the synergy of the relationship and what the relationship wants, even at the risk of a separation. It would then be a 'conscious separation'.
Being witnessed ups the ante for the degree of authenticity, providing a forum not only for the couple, but for all relationships to be heard and healed. The main similarity between Dyadic Councils and other forms of Council is that the primary skill encouraged is one of devout listening. The main difference is that a response is often called for as well. Being totally available in the support of another person's truth, to the point of being able to, without judgement, reflect that truth back to them when needed, and to also access one's own heart and, without reaction, to share that with another, are the two most transformative gifts we can give. Add to this an intention to go beyond what is known, to live the Mystery of Intimate Relationship, and we have a recipe that can transform the world.
The weekend includes Group councils, Gender councils, Dyadic council, meditation, dream-sharing, and energy practices.
Council II - Deepening the Practice
Frische Inspiration, Selbstvertrauen und zusätzliche Fertigkeiten für die Praxis
Im Seminar, das für solche gestaltet ist, die schon eine Weile mit Council Kreisen arbeiten, werden wir, neben einer Auffrischung der „council basics“, die Bedeutung der Arbeit mit dem „Schatten“ und mit „Coyote Energie“ erkunden.
Wir werden dazu einige spezifische Formen des Councils, zugeschnitten auf die verschiedenen denkbaren Gegebenheiten und Zielgruppen, kennen lernen.
Dazu wird u.a. auch die Fähigkeit zum sog. „Lesen des Feldes“ trainiert und gestärkt werden. Schließlich wird es auf die Herausforderung hinauslaufen, wie Council in die verschiedenen Bereiche unseres Lebens hineingetragen werden kann.
Es ist wichtig den Leitsatz „Es gibt keinen Council ohne Schatten“ zu verinnerlichen.
Wir müssen uns die Erlaubnis geben, uns gestört zu fühlen, oder bewegt zu sein, um aus unserer „Komfort Zone“ heraus zu kommen und den Kreis lebendig werden zu lassen.
Wenn dann starke Energien ausgelöst werden, stehen wir vor der Herausforderung, dem Kreis so zu dienen, dass er sicher und gehalten bleibt. So entstehen magische Momente.
| Termin: | 15.- 18.07.2010 |
|---|---|
| Leitung: | Leon Berg |
| Kurssprache: | Englisch |
| Kursgebühr: | 295,- €, + Unterkunft u. Verpflegung |
| Kursort: | Eschwege-Institut |
Leon Berg
ist Miterschaffer und Co-Direktor der Ojai Foundation in Kalifornien.
Er ist Senior Trainer im Kollegium des „Center for Council Training“ und Mitbegründer des israelischen Vereins „Ma’agal Hakshava“ (Listening Circles).
Leon leitet Council Trainings in den USA, in Israel und Europa seit 16 Jahren.
Council Grundlagenseminar (deutschsprachig)
Zeitgemäße nichthierarchische und gewaltfreie Kommunikationsformen in Gruppen
Für Menschen die prozessbegleitend mit anderen Menschen arbeiten ist eine Herangehensweise, die das Zuhören in den Mittelpunkt stellt, von vitaler Bedeutung.
In diesem Einführungskurs werden die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikationsform „Council“ vermittelt.
Eine Bereicherung für alle, die mit Gruppen von Erwachsenen und Jugendlichen arbeiten oder arbeiten wollen.
Im Seminar geht es u.a. um den Einsatz von Council zur Gestaltung von Prozessen, Krisen und Konflikten, sowie zur Würdigung von Erreichtem.
Council ist ein Weg zur Förderung der Selbstachtung und Selbstachtsamkeit des Einzelnen, sowie der Kommunikation miteinander und anderen Beteiligten, wie z.B. Eltern, Sozialpädagogen u./o. Lehrkräften. Generell wird es darum gehen, wie der „Way of Council“ für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nutzbar gemacht werden kann.
Holger & Gesa Heiten sind beide ausgebildete Council Leiter und Trainer. Das von ihnen gegründeten und geleiteten Eschwege Institut ist gleichzeitig auch ein europäischer Veranstaltungsort für die Ausbildung zum / zur Council Leiter/in / Council Trainer/in in Kooperation mit der Ojai Foundation und der School of Lost Borders in Kalifornien.
| Termin: | 30.09. – 03.10.2010 (Anreise ab 15:00 Uhr, Beginn 16:00 Uhr, Ende um ca. 14:00 Uhr) |
|---|---|
| Leitung: | Holger & Gesa Heiten |
| Kursgebühr: | 295,- €, + Unterkunft u. Verpflegung |
| Kursort: | Eschwege-Institut |
Council in Business, Firmen und Management
In diesem Seminar sollen Kernherausforderungen im Feld von Business und Management identifiziert und auf den möglichen Einsatz von „Council“ hin untersucht werden. Ausgehend von Bereichen wie kollidierende Paradigmen, Verhandlungsstrategien, oder dem „top-down“ Management, die oft in einer Angst- und Beschuldigungskultur eingebettet sind, soll die praktisch / theoretische Auseinandersetzung auf folgende Felder gerichtet werden:
Kreise versus Pyramiden, vis-à-vis Dialoge, Lernende
Organisationen, Formate für den Arbeitsplatz, Medizinrad & Myers Briggs, Der Schatten:
Freund oder Feind, Guerrilla & Wasser Kühler Councils, Wiederbenennung des Offensichtlichen, Council und Organisationsentwicklung.
| Termin: | 28. – 31.10.2010 (Anreise ab 15:00 Uhr, Beginn 16:00 Uhr, Ende um ca. 14:00 Uhr) |
|---|---|
| Leitung: | Marlow Hotchkiss u. Gesa Heiten |
| Kurssprache: | Englisch mit Übersetzungshilfe, (nicht simultan) |
| Kursgebühr: | 295,- €, + Unterkunft u. Verpflegung |
| Kursort: | Eschwege-Institut |
Marlow Hotchkiss, Council Trainer, Erzieher, Co-Director u. Projektleiter der Ojai Foundation, Co-Autor von “The Box” u. “Remembering the Gift”, ist Visionssucheleiter und Unternehmens-berater. Er hat mehr als 35 Jahre Erfahrung in Organisations-entwicklung, im Profit und im Non-profit Bereich. Er lehrte an High Schools und Universitäten und ist Gründungsmitglied der Living Systems Consulting Group, die mit Organisationen vom Familienbetrieb bis zu multinationalen Konzernen, arbeitet. Zusammen mit Gigi Coyle und anderen Ojai Leitern, führt er seit Jahren Familien, Schulgruppen und Jugendleiter für seine Programme in die Wildnis. Er ist Vater, Großvater und ein unersättlicher Naturalist.
Ausbildung
In Kooperation mit der Ojai Foundation (www.ojaifoundation.org) und der School of Lost Borders (www.schooloflostborders.com) bietet das Eschwege Institut jährlich eine Reihe von Fachthemenseminaren an, zu denen maßgebliche Council Lehrer/innen von Ojai und Lost Borders eingeladen werden. Auch Holger & Gesa Heiten sind Council Trainer und bieten zusätzlich ein Council Grundlagenseminar in deutscher Sprache an.
Wer eine Ausbildung im „Way of Council“ wünscht, kann die im Eschwege Institut, sowie die in ähnlichen Einrichtungen gebotenen Council Seminare dazu wahrnehmen und sollte sich dann an folgende Ausbildungsrichtlinien halten:
Ausbildungsrichtlinien der Ojai Foundation
Die Ojai Foundation möchte vorausschicken, dass „Council“ als Kommunikationsform, nicht das geistige Eigentum von Ojai oder irgendeiner anderen Institution ist und jemals sein kann. Wer immer sich berufen fühlt mit Council zu arbeiten soll es tun.
• Wer sich jedoch in der Council Praxis auf die Tradition, die Linie der Lehrer/innen und den guten Ruf der Ojai Foundation, bzw. inzwischen auch der School of Lost Borders berufen möchte,
• wer sich mit dem weltweiten und neuerdings auch dem wachsenden europäischen Council Netzwerk verbinden möchte und von den dadurch möglichen Empfehlungen, Informationsmaterialien und der kollegialen Unterstützung profitieren möchte,
• wer die Unterstützung von Mentoren, bzw. erfahrenen Lehrer/innen in Anspruch nehmen möchte,
der, bzw. die sollte sich an folgende Richtlinien halten:
Es gibt zwei Ausbildungsstufen. Im Folgenden wird aufgelistet welche Ausbildungsschritte zum Erreichen der jeweiligen Stufe erfüllt werden müssen.
1. Council Leiter
a) Empfehlung Deines Mentors in diese Richtung zu gehen (Mentor kann ein anerkannter Council Trainer der Ojai Foundation sein, z.B. Gigi Coyle, oder Marlow Hotchkiss)
b) Teilnahme an zwei längeren oder drei kürzeren Council Seminaren
c) Kenntnis des Buches
d) Tätigkeit in vergleichbaren Bereichen wie z.B.: Meditation, Visionssuche, Arbeit mit Kreisen von Menschen in irgendeiner Art, Moderation, Arbeit mit der Methode “Forum”….
e) Ein Jahr Erfahrung mit der Praxis des Councils, z.B. in Familie, unter Freunden, im Rahmen der beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit usw.
f) Die Verbindung zu Mentor und Netzwerk lebendig erhalten.
2. Council Trainer:
a) Teilnahme an drei oder mehr längeren Council Seminaren, einschließlich möglichst des Seminars “The Nature of Council”.
b) Zwei bis drei Jahre durchgängige Erfahrung (ein Jahr ist seltenst genug für einen Trainer) und / oder vergleichbare Erfahrungen.
c) Mindestens eine Erfahrung mit Council und Jugendlichen. Wir empfehlen auch eine Erfahrung mit einer Dir unbekannten Gruppe, wie z.B. “Älteste”, “Geschäftsleute” etc..
d) Eine Assistenz und mindestens eine Co-Leitung als Teil Deiner Abschlussarbeit ……fortgesetzte Verbindung mit Deinem Mentor.
e) Mindestens einmalige Teilnahme am Treffen der Council Leiter in den USA, soweit Dir dies reisetechnisch möglich ist, sowie Teilnahme an / Verbindung mit der europäischen Gruppe von Council Leitern. So wie diese Gruppe wächst, wird Ojai einen “mentoring day” für diese anbieten.
f) Einiges an angemessener vergleichbarer Ausbildung, Erfahrung in z.B. Meditation, Theater, Moderation, Kommunikationstechniken, Visionssuche etc..
g) In den USA gibt es die Möglichkeit Praktika an Schulen abzuleisten, doch dies scheint z.Zt. in Europa sehr schwer. Dies sollte evtl. in der Zukunft angestrebt werden.
The
Way of Council - Gespräch mit Gigi Coyle
Zeitgemäße nichthierarchische Kommunikationsformen in Gruppen
Für die initiatische Arbeit ist eine Kommunikationsform, die das Zuhören in den Mittelpunkt stellt, von vitaler Bedeutung. Ein "Muss" für alle, die mit Gruppen arbeiten oder arbeiten wollen.
Virginia "Gigi" Coyle, Mitbegründerin der Ojai Foundation in Kalifornien, Mitautorin des Standartwerkes "The Way of Council" ist eine international gefragte Kommunikationstrainerin, Visionssucheleiterin und Dozentin an der School of Lost Borders. Sie hat ihre Methoden weltweit in die Gemeinwesen-Entwicklung, von den Chefetagen bis in die Klassenräume sowie in Projekte der Permakultur und "interspecies communication" hineingetragen. So leitete sie z. B. die erste Wiederauswilderung von Delphinen.
Virginia "Gigi" Coyle
Council trainer, wilderness rites of passage guide and trainer, she is a co-author of The Box and The Way of Council. Gigi helped create and oversee the Ojai Foundation, an educational retreat sanctuary for youth and adults. She has worked extensively in the areas of citizen diplomacy, community development, permaculture and interspecies communication projects, such as directing the first release of dolphins back to the wild.
Gigi Coyle, THE NATURE OF COUNCIL
Council is an ancient form and modern practice whose roots are within the natural world, spanning diverse cultures and religions. Here we listen to the whole circle - the people, the place, the spirit in all, each with its own gift, story to share, piece of the whole. This practice elicits the experience of true community. How do we embrace differences, honor the young and old, and find our own voices, while opening to others and remembering all our relations? It seems more than ever an essential time, in our nation and around the world, to learn together how to listen deeply and live with open hearts and minds.
Council offers a way of communicating that encourages attentive listening, honest and compassionate expression. It makes room for new insights and understandings, wisdom in decision making, and healing. We see council, as a personal practice, a group process, and a life pathway, as essential for any individual whose work or service involves a group, staff, community, etc.
Das Buch, the book
The Way of Council, by Jack Zimmerman with Virginia Coyle
Bramble Books: Las Vegas, 1996 308 pages
Step by step exploration of the dynamics of the ancient council process. Ways of maximizing interpersonal communication in groups, from the corporation board room to the high school classroom to the elders' council in wilderness rites. Gentle, sensitive, insightful, and practical. The reader is drawn into the dramas of real life group interaction. A must for those who participate in or facilitate groups. "The council process is the most effective tool I know to capture the true strength of a diverse work force." (Chuck Winship, manager strategic programs, Xerox Corporation)
"I am grateful for the care and depth with which Jack and Gigi speak about the important tradition of council in writing this book. We need to listen like the Bodhisattva Avalokiteshvara, the compassionate being who hears not only what is said but also what has been left unsaid." (Joan Halifax)
Interview von Geseko v. Lüpke mit Virginia Coyle,
zum Thema: "The way of Council"
(bitte jegliche Vervielfältigung (auch auszugsweise), Weitergabe, oder anderweitige Verwendung dieses Textes vorher mit Geseko v. Lübke, v.luepke@geseko.de, Tel.: 08142 2782, absprechen.)
Geseko: Kommunikation zwischen Menschen, Völkern, ja sogar zwischen Nachbarn scheint ein schwierig Ding zu sein und immer öfter zu scheitern. Wir besitzen entweder keine Werkzeuge zur Verständigung oder sie sind uns abhanden gekommen. Sie haben ihr Buch über Kommunikation „The Way of Council“ genannt, wobei Council für eine spezielle Form von Versammlung steht - Was ist für Sie ein Council?
Gigi: Ein Council ist eigentlich etwas sehr einfaches, eine uralte Form der Zusammenkunft, die aus der Zeit stammt, als die Menschen sich noch um das Feuer versammelten. Sie saßen im Kreis und erzählten sich ihre Geschichten. Und wie wir von Menschen aus erdverbundenen Traditionen weltweit wissen, lag in diesen Geschichten viel Lernenswertes und Heilsames. Unsere Form des Council ist also eine Art Rück-Verbindung zu alten Traditionen und erinnert uns an dieses Leben. In einem darüber hinaus gehenden Sinne ist es sogar eine Art zu Leben, eine Lebensphilosophie - aber bleiben wir erst einmal bei der heutigen Praxis.
Im Grunde ist uns diese Form des Miteinanders tief vertraut. Und ich denke, deshalb kommt es den Menschen so natürlich vor, im Kreis zu sitzen.
In einem Kreis fühlen wir uns wohl und können uns leichter öffnen. Und wir können wirklich jeden im Kreis sehen. Bei einem Council geht es darum, unsere Fähigkeit zum Zuhören zu vertiefen. Das bedeutet auch, in uns selbst hinein zu horchen, und auf das zu achten, was gesagt, was mitgeteilt werden will. Dazu gehört ebenso, den anderen zuzuhören, wie auch alle die Informationen um uns herum aufzunehmen, die diesen Augenblick ausmachen. Wir beziehen also unser natürliches Umfeld mit ein – die Natur, den Ort, die Tageszeit, usw. Für mich gehört all das zum „tieferen Wesen“ des Council, der Versammlung, hinzu
Menschen verlieren sich oft im Reden, d.h. sie hören zwar aufmerksam anderen zu, vergessen jedoch ihre Aufmerksamkeit auf die zahlreichen anderen Variablen auszuweiten, die Einfluss auf das Geschehen haben ,also das, was wir das “Feld” nennen.
Welche Regeln gibt es zu beachten, wenn man ein Council abhalten will?
Wir sprechen lieber von Leitlinien als von Regeln Es geht eher um den „Geist“ des Council, die innere Einstellung, für viele ist es eine Art spiritueller Übung. Die Leitlinien sind ganz simpel. Im Kern geht es darum, aus dem Herzen zu hören, aus dem Herzen zu sprechen und nicht mehr zu sagen als nötig. Das muss nicht heißen, sich kurz zu fassen oder zu beschränken. Vielmehr geht es darum, so gut und knapp wie man es eben kann, zur Essenz dessen zu kommen, was man sagen will. Und allein das ist ein Thema für sich. Aber es geht, wenn wir anerkennen, dass jeder zu Wort kommen will.
Ein weiterer Punkt ist die Spontaneität. Und das heißt: Unvorbereitet sprechen! Denn wenn wir uns wirklich einlassen und einander zuhören, auch unser Umfeld wahrnehmen, dann ist es unmöglich, eine Rede vorzubereiten. Wenn ich gleichzeitig zuhören und innerlich vorbereiten will, kann ich keinem von beiden gerecht werden – und ich bin nicht innerlich präsent. Wir alle vergessen das immer wieder, und dann ist es wichtig, sich wieder in die Gegenwart zurück zu holen und zuzuhören. Es ist eine Übungssache. Und wenn es uns gelingt, nicht vorzubereiten, was wir sagen wollen, sind wir oft selber überrascht, von dem, was wir sagen. Dann öffnen wir uns und fangen an, dem Augenblick zu vertrauen. Und trauen auch plötzlich dem, was wir hören.
Anders als wir es häufig in unserem täglichen Umfeld erleben, setzen wir im Kreis unsere Energie nicht dafür ein, endlich zu Wort zu kommen, sondern wir lernen zu warten und dann zu sprechen, wenn die Reihe an uns ist.
Diese Zusammenkünfte in Kreisform werden auf unterschiedlichste Weise praktiziert und sind in vielen Ländern und Kulturen zu finden. Wir freuen uns immer, wenn es uns gelingt, an unterschiedlichen Plätzen Wurzeln dieser Arbeit zu entdecken und unterstützen zu können. Auf eines möchte ich noch hinweisen, das in unserem Kulturkreis wichtig ist, nämlich die Vertraulichkeit. Auch das hat einen einfachen Grund. Viele Menschen kommen mit dem Wunsch nach seelischer Heilung, und in einem solchen Kreis erzählen sie vielleicht zum ersten Mal ihre ganz persönliche Geschichte. Deshalb soll das, was gesagt wird, nicht weitererzählt werden, sondern im Kreis bleiben.
Es klingt fast, als ob man im Kreis einen rituellen Gesprächsraum betritt?
Die Art, wie wir ein Council abhalten, hat sehr viel von einem Ritual. Der Beginn kann unterschiedlich gestaltet werden, aber meist brennt wie früher ein Feuer in der Mitte, auch wenn es nur eine Kerze ist. Dann bitten wir die teilnehmenden Menschen, diesen Kreis mit einer inneren Absicht zu betreten. Ein Wunsch, ein Gebet, ein Ziel, eine Widmung, was immer. Wir verwenden die Sprache, die sich am besten zur Kommunikation mit der jeweiligen Gruppe eignet.
Wir orientieren uns an der Kultur und den Gepflogenheiten der Teilnehmer. Wenn wir ein Council in einer Firma abhalten, dann verzichten wir vielleicht auf die Kerze, weil das die Leute albern finden könnten und sie sich möglicherweise nicht öffnen können. Stattdessen räumen wir dann die Tische aus der Mitte des Raumes oder verzichten auf Stühle, um auf andere Weise eine besondere, im Ritual würden wir sagen „heilige Zeit“ zu erschaffen, und zum Beispiel einen schönen Blumenstrauß in die Mitte stellen.
Es gibt also gewisse Leitlinien, und es gibt ebenfalls formale Gestaltungselemente für den Anfang und das Ende Jeder, der einen Council anleitet, weiß jedoch, dass es sich lediglich um Leitlinien handelt, die sich immer danach richten, was der Absicht der Gruppe am besten dient.
Sprechen wir von den Wurzeln. Sie sagten, dass Sie – je nach dem wo so ein Council stattfindet – die lokalen Wurzeln aufgreifen. Heißt das, diese Struktur existierte rund um den Planeten, in unterschiedlicher aber ähnlicher Form
Ich würde gerne noch zu den Wurzeln von Council in anderen Kulturen etwas sagen.
Aber zuerst will ich darauf hinweisen, wie wichtig es ist, auf die Wurzeln von Council in der Natur zu blicken. Seit vielen Jahren beobachte und photographiere ich Kreisbildungen in der Natur, wie sich Tiere spontan in bestimmten Formationen bewegen, wie Delphine ihr eigenes Radar benutzen und Menschen auf ganz bestimme Art wahrnehmen.. Diese Transparenz und die Fähigkeit, sich trotz großer Unterschiede in einer einheitlichen Form zu bewegen, ist eine der typischen Erfahrungen, die man im Rahmen eines Council machen kann. Es gibt da eine Verbindung zwischen allem Lebendigen, was die eigentlichen Wurzeln von Council ausmacht. Eine Form des Zuhörens, die wir herausbilden möchten, eine Art des Hörens, die wir brauchen, um in der freien Natur zu gehen, zu leben und zu arbeiten. Es ist das Hören, dass die Völker, die noch im Verbund mit der Erde lebten, für ihr Überleben brauchten. Wir bemühen uns, diese Art des Hörens zu kultivieren und zu fördern, dieses Lauschen in die Natur und das Wahrnehmen von Stimmen, von einer einzigen Stimme…..
Darin liegt die Tür zu einer Erfahrung von Größe, das, was die Buddhisten „Big Mind, Big Heart“ nennen.
Wir haben einmal mit Muslimen gearbeitet, die die Form des Council sehr schätzten. Sie konnten über ihre eigene Tradition einen Zugang finden, und zwar durch die Verwendung eines Sprechstabes. Wir benutzen ja einen Sprechgegenstand, was eigentlich nicht ganz das richtige Wort ist, denn der Sprechgegenstand soll uns beim Zuhören helfen. Im Islam hat der Sprechstab die Aufgabe, das Größere in uns – vielleicht Gott – einzuladen, und sich durch uns auszudrücken. Auch in der hawaiianischen Kultur gibt es Traditionen, wo die Menschen im Kreis sitzen und reden, und die unserem Council sehr ähneln. In der Ilias ist die Rede von einem Sprechstab, der zur Konfliktlösung eingesetzt wurde. Und die Quäker zum Beispiel, die im Kreis sitzen und sich einem Hören in die Tiefe öffnen und nur dann sprechen, wenn der Geist sie dazu bewegt. Ich könnte noch viele Beispiele nennen
Wenn ich Gelegenheit habe, unterschiedliche Kulturen kennen zu lernen, dann frage ich gerne, welche Tradition des Sprechens, aber vor allem des Zuhörens, sie besitzen, die der des Council ähnelt. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen in ihrer Kultur Wurzeln mit dieser Struktur entdecken können
Daher gibt es Leitlinien, die sich für die Art und Weise, wie wir Council verstehen, sehr gut eignen. Aber diese Form der Kommunikation ist nicht unser Eigentum, daher können diese Leitlinien ebenso ergänzt wie gekürzt oder geändert werden, je nachdem, um welche Gruppe von Menschen es sich handelt.
Ich habe das Reden mit Hilfe eines Sprechstabes deshalb als etwas besonderes erlebt, weil es einem rituell zu erlauben scheint, zu sagen, was gesagt werden will, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht und dabei sicher zu sein, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden zu habe. Eröffnet uns dieses Werkzeug eine andere Kommunikationsebene? Denn in der Regel verlieren wir uns ja in Diskussionen, anstatt wirklich zuzuhören und aus der Tiefe zu sprechen.
Ganz genau. Wir sagen “Sprechgegenstand” – denn es kann ein Stab, oder etwas selbst Gefertigtes sein, etwas, das für eine Gruppe von Menschen eine bestimmte Bedeutung und Kraft ausdrückt, es kann aber auch einfach nur eine Blume sein. In einem Unternehmen haben wir sogar mal ein Handy als Sprechstab benutzt. Dieser Gegenstand soll uns daran erinnern, dass in einem Kreis zwar Menschen sitzen, dass aber auch noch weitere Elemente unserer Wirklichkeit anwesend sind. Der Sprechstab soll auch an die Anwesenheit einer weiteren, dritten Ebene erinnern, denn er transportiert seine eigene Geschichte. Es ist daher gar nicht nötig, sich besonders anstrengen zu müssen, um gehört und gesehen zu werden, oder sich das Wort zu erkämpfen. Wenn du den Sprechstab hältst, ist allen klar, dass es jetzt an dir ist zu sprechen, und dadurch wird eine völlig andere Art des Ausdrucks möglich. Die Energie der Gruppe wird nicht durch den Teilnehmer bestimmt, der am lautesten redet oder eine dominante Rolle einnimmt, vielmehr entwickelt sich durch das Wandern des Sprechstabs ein gemeinsames Verstehen, ein miteinander Verweben.
Manchmal ist die Geschichte des Sprechstabes selbst interessant, Ein anderes Mal wiederum lassen wir den Sprechgegenstand im Kreis herum gehen und beobachten, was er den Menschen entlockt. Schon allein dadurch entfaltet sich eine besondere Erfahrungsebene. Selbst wenn nur zwei Menschen sich entschließen, ihrer Begegnung durch ein Council eine tiefere Absicht zu geben, den Raum dafür bereiten und die Vereinbarung treffen, sich zuzuhören und für einander da zu sein, entsteht inhaltlich etwas völlig anderes, als wenn sie einen klassischen Dialog führen würden.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die miteinander sprechen, die Realität in verschiedenen Kanälen wahrnehmen, und dass diese Wahrnehmungskanäle nicht aufeinander treffen. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen berühren sich einfach nicht. Stimmt es, dass Council weniger eine zielgerichtete Kommunikationsform ist, sondern vielmehr ein viel weiter gefasste Art des Verstehens, ausgehend von dem tiefen Hineinhören in das, was die Seele uns mitteilen will?
Wie alles auf der Welt ist das, was ein Council sein kann, davon abhängig, wie und in welchem Geist es eingesetzt wurde.
Für mich ist es wichtig, dass ein Council zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden kann. Manchmal geht es darum, eine Entscheidung zu treffen, ein andermal wollen wir herausfinden, wie ein Haus konzipiert werden soll. Wir setzen Council auch bei Paaren ein, um die Beziehung und das Verständnis füreinander zu vertiefen. Jeder Council ist daher anders, gemeinsam ist allen jedoch, dass meistens eine offenere und menschlich tiefere, die Seele berührende Kommunikation stattfinden kann.
Manchmal frage ich Menschen, ob sie sich jemals unverstanden vorkamen in ihrem Leben Fast jeder aus ungefähr jedem Kulturkreis, dem ich begegnet bin, antwortet darauf mit Ja. Das ist eine Wunde, die wir alle tragen. Ob wir einen Traum erzählen oder unsere Geschichte, wir lernen allein dadurch, dass wir sie erzählen. Das Erzählen der Geschichte besitzt eine eigene Kraft, die dem Verstehen dient, aber große Heilkraft hat. Und all das hängt davon ab, welche Absicht ein Council verfolgt. Ich erzähle z.B. eine Geschichte, die in mir aufsteigt, ohne zu wissen, warum, aber die Geschichte kommt ganz spontan in mir auf, als wir uns im Raum niederlassen. Vielleicht hat die Geschichte etwas mit der Erde zu tun, auf der wir sitzen, auf jeden Fall habe ich das Gefühl, sie erzählen zu müssen. Was genau diese Geschichte bedeutet und wozu sie hilfreich war, wird mir vielleicht erst klar, nachdem unser Council vorüber ist.
Meine Absicht wird aus einer Frage ersichtlich, die ich mit mir trage, und die ich gerne auch anderen ans Herz legen möchte. Es ist die Frage, wozu etwas gut ist. Was ist gut für mich? Was dient den anderen?? Was dient dem großen Geheimnis, Gott, dem großen Geist, dem Unbekannten, der Großen Gemeinschaft? Das Göttliche ist der Ort der Rück-Verbindung, den wir erforschen möchten.
Die Form des Kreises scheint eine sehr ursprüngliche Form der Kommunikation zu sein. In Deutschland besitzt jede Stadt ein Rathaus, was einer wörtlichen Übersetzung von ‚council house‘ entspräche.’ Hier sitzt die Lokalverwaltung. Die eigentliche Kultur des Rates, des zu-Rate-Sitzens besteht jedoch nicht mehr. Alle halten ihre vorbereiteten Reden und versuchen einander zu übertrumpfen. Was glauben Sie, warum haben wir den Geist, die Kultur des Rates verloren?
Ja, darin liegt eine traurige Ironie, denn die Wurzeln des Council liegen in unserem Regierungssystem und der Begriff selbst ist in den Vereinigten Staaten weit verbreitet. Eine bestimmte Kultur innerhalb meines Landes habe ich noch nicht genannt – die der amerikanischen Ureinwohner. Sie waren diejenigen, die den Weißen den Geist des Council nahe brachten.. Ein Großteil unserer frühen Regierungsstrukturen basierte auf der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner. Wie wir wissen, war die Kultur der Ureinwohner über viele Jahre hinweg unterdrückt, wie viele andere indigene Kulturen und Völker. Ich glaube, die Weisheiten der eingeborenen Völker erschienen den modernen Menschen der westlichen Welt als unpragmatisch und ineffizient. Nach wie vor mangelt es uns grundlegend an Verständnis für die indigenen Kulturen.
Ich ehre die tiefen Wurzeln dieser Kommunikationsform und die alten Kulturen, von denen ich lernen durfte, und ich kann nur sagen, dass Council für mich zu einer Lebensart geworden ist, die dem Wesen unsere Erde entspricht und allen Menschen offen steht. Ich weiß, dass ich Council zum allerersten Mal in der Natur erlebt habe, als ich feststellte, dass ich mit allem um mich herum in Kontakt bin. Ich habe in den späten 60er und in den 70er Jahren mit Frauen im Kreis gesessen. Dieser Kreis entstand ganz natürlich, indem wir Frauen uns verbunden fühlten durch das schmerzhafte Erleben patriarchaler Strukturen. Daher stellt meine Achtung vor der femininen Kraft für mich ebenfalls eine der Wurzeln des Council dar.
Es gibt ganz gewiss einen Aspekt von Council, der auf die weibliche, die feminine Art zurück zu führen ist, und der im Kern dieser Praxis zu finden ist. Ich sagte schon, dass die Wurzeln des Council in der Tradition der Quäker, der der Bürgerrechtsbewegung, aber auch in zahlreichen Gemeinschaften und Kulturen zu finden sind, die ein harmonisches Miteinander anstrebten, und die das Einbeziehen von Verschiedenartigkeit als wichtiger ansahen, als Effizienzdenken, Industrialisierung, wirtschaftlichen Erfolg und Produktivität in unserer westlichen Kultur. Wenn Menschen anfangen, darauf zu hören, was im Leben wirklich wichtig ist, werden sie, so denke ich, in diese Richtung gezogen, sie erinnern sich sozusagen wieder daran.
Ich möchte wiederholen, dass dies nicht der einzig mögliche Weg ist. Es gibt viele wertvolle Formen der Kommunikation Ich schätze die Art von Dialog, die uns dabei hilft, zuzuhören und zu verstehen, Für mich jedoch ist Council ganz sicherlich zu einer Lebensphilosophie, zu einer bestimmten Art zu leben, geworden. Es ist weit mehr, als lediglich ein Werkzeug oder eine Technik.
Was bedeutet, dass es eine Lebensphilosophie ist?
Es ist eine Art, mit mir selbst und mit der Welt in Einklang zu sein. Bildlich gesprochen heißt das, dass ich den Redestab in mir trage und die Bereitschaft zu Hören lebe – und zwar nicht nur, wenn ich oder sonst jemand einen Council einberuft. Es bedeutet einfach zu leben und zuzuhören so gut ich kann, und mich jedes Mal selbst zurück zu pfeifen, wenn ich gerade mal diese Aufmerksamkeit zum tiefen Zuhören vergessen habe. Aus dieser Art des Zuhörens heraus entsteht die magische Erfahrung, mit Menschen und mit einem Ort verbunden zu sein. Ehe wir in der Ojai Foundation neue Gebäude bauen konnten, wurden wir still und fragten den Platz “was braucht dieser Ort?“ Wir warteten mehrere Jahre, ehe wir mit dem Bau beginnen konnten.
Meine eigene Geschichte ist stark geprägt von meiner Arbeit mit den Delphinen, von denen ich so viel gelernt habe. Bereits ganz zu Beginn war da ein Sehen, ein Verstehen, ein gemeinsames Feld. Diese Erfahrung veranlasste mich, mit Menschen zu arbeiten, weil ich verstanden hatte, dass wir einander sehen können, uns zuhören können, uns finden, uns helfen und heilen können. Wenn wir still werden und erkennen, was gerade dieser Augenblick erfordert, wenn wir uns gegenüber der Welt öffnen, wenn wir unser Potential zulassen, dann stehen uns alle diese wunderbaren Gaben zur Verfügung. Und diese Offenheit Tag für Tag zu leben, bereit zu sein, in einem schwierigen Gespräch zuzuhören und die Zeit, die es braucht, zu warten– das ist die eigentliche Herausforderung! Den Moment abzuwarten, in dem ich etwas einbringen kann und es dann zu tun - oder es gut sein zu lassen und zu würdigen, was geschieht.
Es scheint bei diesem Prozess viel darum zu gehen, die eigene Geschichte zu erzählen. Viele Menschen aber sind mit ihrer Geschichte noch nie gehört worden oder haben immer nur solche erzählt, die gehört werden wollte. Ist Council eine Methode, mit biographischen Schatten zu arbeiten. Ist sie damit therapeutisch?
Es hat eine therapeutische Wirkung, ohne jedoch Therapie zu sein. Entscheidend ist, dass Menschen im Kreis zusammen kommen und dass jeder einzelne etwas beitragen kann, das möglicherweise einem Anderen dient. Denn das ist immer möglich. Und wenn alle offen sind und zuhören, kann selbst der jüngste Teilnehmer mit der geringsten Lebenserfahrung auf wunderbare Weise genau das Puzzlestück beisteuern, dass für jemand Anderen wichtig ist. Denn wir sind wie ein großes Puzzle, jeder könnte ein Stück für mich besitzen. Auf diese Weise ehren wir die Kinder und die Ältesten. Wir geben Raum – wenn jemand lange spricht, gleicht sich das wieder aus, wenn einer eine Weile zuhört, um weniger Zeit in Anspruch zu nehmen, und so ist genug Zeit für alle.
Die Übertragung, die oft im therapeutischen Zusammenhang entsteht, gibt es im Council nicht, denn ein guter Leiter gibt die Leitung immer wieder an den Kreis zurück. Hier gilt es anzuerkennen, dass Heilung, Visionen, Konfliktlösungen allein auf die Alchemie des Kreises, den Augenblick, den Ort, die Zeit und die Menschen zurück zu führen sind.
Und nochmals, die Art, in der der Kreis hilfreich ist, hängt von ganz bestimmten Absichten ab. Wenn ich mich in einer Vorstandsetage befinde, kann es Heilung geben, auch wenn es sich hier um Entscheidungsprozesse handelt. Natürlich müssen wir dann die Hierarchie in diesem System anerkennen. Trotzdem wird in einem Council jeder gehört, auch wenn es letztlich die Chefs sind, die entscheiden. Das Geschenk liegt dann darin, dass jeder weiß, er wurde von seinen Vorgesetzten angehört, bevor die Entscheidung getroffen wird. Und das kann sehr heilend wirken.
Wenn ein Council stattfindet, geht es offenbar mehr um ein Gefühl der Zusammenarbeit als um Wettbewerb, als um “besser sein”, mehr sein, schlauer sein, oder was auch immer. Was können Sie dazu sagen?
Das ist richtig. Sehen Sie sich die Delphine einmal näher an. Die Menschen haben sich selbst immer für die intelligenteste aller Spezies gehalten, bis sie sich näher mit Delphinen beschäftigten. Und bei Forschungen mit Delphinen und Walen wurde festgestellt, dass ihr Gehirn größer ist und sie auf bestimmten Gebieten Fähigkeiten besitzen, welche die des Menschen weit übersteigen. Dann wurde die Frage nach der Definition von Intelligenz aufgeworfen. Seit 20 Jahren wird der Begriff der emotionalen Intelligenz erforscht, und inzwischen gilt es als allgemein anerkannt, dass Intelligenz sehr unterschiedliche Bedeutungsinhalte besitzt.
Auch im Council leben unterschiedliche Formen von Intelligenz. Das ist eine wunderbare Form dessen, was wir ‚partnerschaftliches Paradigma‘ nennen. Es gibt uns immer wieder die Möglichkeit zu erkennen, dass jeder Mensch etwas Besonderes, eine besondere Gabe besitzt. Denn wir sind eben nicht alle gleich. Wir besitzen unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten, unterscheiden uns in vielen Dingen, .und in Rahmen eines Council ist es eben möglich, all diese Unterschiede zu würdigen und einzubeziehen. So kann man z.B. innerhalb einer Organisation feststellen, dass jeder eine andere Aufgabe und andere Verantwortlichkeiten übernimmt. Aber jeder hat den gleichen Raum zur Verfügung, um in seiner eigenen Fülle und Vollständigkeit da zu sein. Es ist genügend Raum da, um so klug und mächtig und weise zu sein, wie es mir möglich ist. Und wenn ich so sein kann, wie ich bin, werde ich auch dein Licht nicht verdunkeln. Es ist genügend Raum da für dein Licht und für meines. Und wenn es gerade dein Beitrag ist, Schmerz, Verletzlichkeit oder Schwäche zu zeigen, so wird auch das als Teil deiner Vollständigkeit als Mensch, als Bestandteil des Council anerkannt und wir sind dankbar dafür. Was Sie vielleicht Zusammenarbeit nennen, würde ich die Anerkennung und Würdigung der Ganzheit, der Vollständigkeit, nennen.
Auf die Frage nach dem Schatten möchte ich sagen, dass ein Council alles willkommen heißt, was als dunkle Seite, als Schatten angesehen wird. Wenn im Rahmen eines Council solche dunklen Energien vorhanden sind und nicht ausgesprochen werden, wachsen sie sich zu ‘Elefanten’ aus, zu einer Belastung für den Prozess. Und solange die Dinge nicht ausgesprochen sind, ist der Council nicht vollständig. Es mag ein Gefühl von Schwere, etwas Verborgenem, Unausgesprochenem, von Unvollständigkeit bestehen. Wir möchten diesen Energien unbedingt Raum geben, damit der Schatten sich zeigen und benannt werden kann.
Und gleichzeitig wollen wir nicht nach Verborgenem graben. Einer der wunderbarsten Momente im Council ist das Schweigen. In unserer westlichen Kultur kommt uns Schweigen oft als Hinweis darauf vor, dass etwas nicht stimmt. Manchmal fühlen wir uns durch Schweigen unangenehm berührt und glauben, etwas sagen zu müssen.
Im Council respektieren wir die Stille.
Und es kommt noch eine weitere Grundregel hinzu, über die wir bisher nicht gesprochen haben: Es muss nicht jeder in einer Versammlung sprechen. Wenn der Sprechstab herum geht und er landet bei jemandem, der Stille in den Kreis geben will, dann ist sein Geschenk eben das Schweigen. In Kalifornien, wo ich lebe, sind die Menschen dauernd dabei, „Schatten“ zu bearbeiten, sich dem „Dunklen“ in sich zu widmen oder „Konflikte“ aufzuarbeiten. Diese ganze Schattenarbeit kann einen genauso süchtig machen wie der Zwang zum ewigen Glücklichsein. Nein, das was wir einladen, ist einfach die Wahrheit. Die Wahrheit jedes Einzelnen in eben diesem Moment, so gut wie er es aus seinem Herzen heraus ausdrücken kann. Wenn es sich als Ärger ausdrückt, gut. Wenn der Kreis gut gehalten wird und klare Regeln hat, braucht man vor Gefühlen und Ärger keine Angst zu haben, im Kreis ist Raum für jede Stimme.
Um den Hörern einen Eindruck von der Vielfalt der Anwendungen zu geben: Können Sie ein paar Beispiele aus der Arbeit in Firmen geben, oder in der Friedensarbeit? Ist Council in der Versöhnungsarbeit nach kriegerischen Konflikten einsetzbar?
Es kommt drauf an: Man kann diese Methode ganz unterschiedlich nutzen und es gibt auch ganz verschiedenen Formen, die der jeweiligen Situation angepasst werden müssen. Was immer dazu gehört ist die erwähnte Kreisform, ein Sprechsymbol, eine inhaltliche Absicht, die Grundregeln und das achtsame Zuhören. Council lässt sich in allen Gemeinschaften einsetzen, wo Heilung nötig ist und man Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Geschichte des Schmerzes, des Missbrauchs oder des Leidens zu erzählen – wozu sie vielleicht noch nie die Gelegenheit hatten. Wenn man bedenkt, wie viel nicht aufgearbeitetes Leiden in der Welt existiert, kann man sich vorstellen, was solche Kreise bewirken können.
Aber Council wird ebenso von Männern und Frauen benutzt, die sich kritisch mit ihrem Männerbild oder ihrer weiblichen Identität auseinander setzen. In modernen Übergangsriten wird es in wunderbarer Weise eingesetzt. Aber auch in der Ehe, in der Zusammenführung von kaputten Familien, in der Auseinandersetzung mit dem Tod, bei der Sterbebegleitung wird es benutzt. So ein Kreis ist dann nicht nur heilend, sondern kann auch eine visionäre Qualität haben, weil neben der reinen Information auch tiefe Weisheit und größeres Verständnis durchbrechen können.
Und andererseits kann diese Form genauso in Firmen eingesetzt werden, um ein Team weiterzubringen, oder einen Konflikt zu lösen, oder um das Ziel einer Abteilung herauszuarbeiten. Wir haben Councilrunden auf Vorstandsebene durchgeführt, wo sehr intensiv und unter enormem Zeitdruck gearbeitet wird. Es kann sehr hilfreich sein, eine Sitzung mit einer Runde im Kreis zu eröffnen, um miteinander in Verbindung zu kommen, gemeinsame Ziele zu finden und Absichten zu formulieren.
Auch innerhalb von sozialen Gemeinschaften und im politischen Kontext lässt sich die Form des Council gut einbauen. Zusammenkünfte in den Gemeinden werden in den Vereinigten Staaten wieder populär. Man erinnert sich wieder an die Wurzeln der Demokratie, und genau das ist es, was Council ausmacht – ein Ort, an dem jeder anders denken darf, aber jeder gehört wird. Mit Jugendlichen geht das wunderbar. Wir arbeiten mit jungen Menschen, indem wir die Councilarbeit in die Schulen tragen. Schüler sind heutzutage überlastet mit Lehrstoff und Aufgaben, ihre Tage sind bis oben hin voll. Wir haben festgestellt, dass es sehr wichtig für die Schüler ist, mit Lehrern und Gleichaltrigen im Kreis zu sitzen und mit ihnen über Anliegen zu sprechen, die nie in der Schule zur Sprache kommen. Es ist egal, ob es dabei um Sexualität, kulturelle Unterschiede oder um die Spaltung zwischen einzelnen Cliquen und Gangs geht, sobald ein ehrlicher und offener Austausch möglich ist, kann sich das Bild einer Klasse, sogar einer ganzen Schule wandeln.
Wir verwenden nicht nur unterschiedliche formale Elemente (manchmal ein Kreis, und manchmal ein Kreis im Kreis, oder eine Spirale im Kreis…), sondern auch unterschiedliche Themen, je nachdem wo der Council stattfindet. Ich habe mit Krankenschwestern, Pflegern, Mönchen und Nonnen gearbeitet – Menschen, die ihre Zeit anderen Menschen widmen, selbst aber keine Gelegenheit haben, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Es war sehr wichtig, diesen Menschen wieder zu Kraft und neuen Ressourcen zu verhelfen. Wir haben inzwischen schon mit Aktivisten und Politikern, Gefangenen und Wärtern, Kindern und Eltern gearbeitet, um nur einige der Councilteilnehmer zu nennen.
Council scheint als ein sich selbst organisierender Prozess mit zahlreichen Partnern abzulaufen. Welche Aufgabe hat der Leiter eines Council?
Ich kann mit einer Gruppe von Frauen oder mit meinen Mitarbeitern in einem Council sitzen und wir sind gleichzeitig alle Leiter - das zeichnet die Councilarbeit aus. Wir fordern die Menschen auf, die Verantwortung gemeinsam zu tragen. Hierzu zählt die Verantwortung für den zeitlichen Rahmen ebenso wie für die innere Absicht. Die Leitung wird auf jeden Fall aufgeteilt. Die kleinste Leitungsaufgabe besteht darin, dass jemand den Beginn und das Ende festlegt. Man kann einfach jemanden bitten, das zu tun. Die umfassendere Version wäre die, dass eine Person verantwortlich ist für das Thema, das Feld, die Absicht, die Wahl der Form und darüber hinaus darauf achtet, dass die Zeit eingehalten wird.
Wir empfehlen eine partnerschaftliche Leitung, um geteilte Verantwortung zu leben und um eine Ausgewogenheit in der Unterschiedlichkeit erfahren zu können. Auch weil es zu den Aufgaben eines Councilleiters gehört, Teilnehmer der Gruppe zu sein. Auf diese Weise nehmen alle am Verlauf und am Inhalt des Council teil. Hier besteht also ein Unterschied zur herkömmlichen Gruppenleitung, bei der der Leiter sich nicht am inhaltlichen Gespräch beteiligt. Wenn wir also partnerschaftlich arbeiten, kann es vorkommen, dass wir uns in unserer eigenen Geschichte verlieren, und dann ist es gut zu wissen, dass unser Partner den Prozessverlauf im Auge behält. Nochmals, die Aufgabe des Leiters richtet sich nach der jeweiligen Situation. Er kann zum Beispiel für die Einführung in den Council zuständig sein. Hierzu muss man sehr Council-erfahren und über den Hintergrund oder die Kultur der Teilnehmer informiert sein. Das ist wichtig, um das ‘Feld zu schaffen’, d.h. in einer Weise den Council zu eröffnen, dass sich die Teilnehmer eingeladen fühlen. Die Aufgabe eines Leiters verändert sich also mit dem Ort, den Teilnehmern und der Absicht.
Mir kam gerade der Gedanke, dass das Wesen von Council etwas mit dem Gefühl von Zugehörigkeit zu tun hat. Ich meine das deshalb, weil viele von uns das Gefühl verloren haben, mit der Erde verbunden zu sein. Und auch weil wir in unserer modernen Kultur die Wurzeln dessen, was Council ist, verloren haben.
Zugehörigkeit, Verbundenheit ist ein großes Thema. Dazu kann ich nur sagen, dass wir in dem Moment, wo wir in einem Kreis mit anderen Menschen sitzen und die Gelegenheit zum Sprechen haben – auch wenn wir uns für das Schweigen entscheiden - normalerweise ein Gefühl von Zugehörigkeit zum Kreis empfinden. Es entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft. Sogar wenn ich mich nicht dazugehörig fühle, betrete ich den Kreis und gebe einen Teil meiner Erfahrung in die Gruppe hinein. Dadurch wird es zu einem Teil des Ganzen.
Wir glauben auch, dass es nicht notwendig ist, alles auszudrücken, denn in dem, was andere Teilnehmer sagen, ist bereits meine Geschichte enthalten. Wenn ich deine Geschichte höre, höre ich gleichzeitig Teile meiner eigenen Geschichte. Wir haben sogar über die Kulturen hinweg Gemeinsamkeiten gefunden. Genauso wie wir die Unterschiede in uns schätzen und achten, können wir auch unsere Gemeinsamkeiten hervorheben und feiern. Die Kraft, die darin liegt, können wir erleben, wenn ein Kreis von Männern einem Frauenkreis zuhört, und umgekehrt. Wir erleben, wie unterschiedlich wir sind und sehen gleichzeitig, dass sie ebenso wie wir Schmerz, Freude, usw. empfinden. Und dann passiert etwas Wunderbares.
Es wird ein viel umfassenderes Gefühl von Zugehörigkeit geweckt, das Gefühl, zum gesamten Universum zu gehören. Es geht nicht darum, dass wir gleich sind, weil wir die gleichen Gefühle haben. Es ist eher so: ich sehe dich in deiner Unterschiedlichkeit und ich achte und würdige diese Unterschiede, ebenso wie die Tatsache, dass wir die gleiche Lebensgrundlage besitzen und auf der gleichen Erde leben. Wir sind miteinander verbunden – deine Freude ist meine Freude und deine Trauer ist auch meine Trauer.
Die kleinste Form der Begegnung ist die zwischen zwei Menschen. Und weil bei den meisten Paaren die Kommunikation überhaupt nicht klappt, erscheint sie vielen sogar als die Schwierigste. Das Symbol des Council ist der Kreis. Dürfen im Kreis auch nur zwei Personen sitzen?
Aber natürlich! In so einem Setting ist der sichtbare Fokus natürlich erst mal auf diese beiden Menschen gerichtet. Aber schon der Sprechstab und eine Kerze zwischen ihnen und das Bewusstsein, wo und warum sie da sitzen, erinnert sie daran, dass es um mehr als nur sie beide geht. Der Zen-Meister Baker-Roshi sagte einmal: „In einer Beziehung muss eins und eins drei ergeben, nicht zwei.“ Daran möchte ich immer wieder erinnern, wenn sich zwei Menschen zusammensetzen: dass nicht nur Er und Sie eine Stimme haben, sondern auch die Beziehung.
Wenn sich also ein Paar ernsthaft zuhört, stellen beide oft überrascht fest, dass sie ihren Partner in einer völlig neuen Weise wahrnehmen. So zeigt sich häufig, dass sie sich zuvor gar nicht richtig zugehört hatten. Außerdem sollte die Stimme der Beziehung ebenso offen und ernsthaft gehört werden, z.B. indem jeder der Partner abwechselnd aus der Perspektive der Beziehung spricht. Das ist so ähnlich wie beim „Council of All Beings“, (“Konferenz des Lebens”), wo wir mit der Stimme der Eidechse oder der Bäume oder der eines anderen Wesens sprechen. Wir wagen uns vor in die imaginäre Welt - die eine sehr reale ist - und sprechen von dort aus.
Was bedeutet „Council of All Beings“?
Diese Form des Council wurde uns von Joanna Macy und John Seed vorgestellt. Es ist eine wunderbare Idee, Menschen dazu aufzufordern, sich der Stimme der Erde und der aller ihrer Wesen zu öffnen. Wir nehmen uns die Freiheit und fragen: „was würde ich jetzt sagen, wenn ich Baum wäre“, oder was würde der Delphin sagen? Wenn wir in einem Council sitzen, kann es passieren, dass wir Zugang zu einer Stimme erhalten, die größer, anders als unsere eigene ist.
Ein „Council of All Beings“ ist eine mögliche Form von Council; ich würde allerdings behaupten, dass der ‘Council of all beings’, also in gewisser Weise die Versammlung aller Wesen, für jeden Council zutrifft. Und zwar deshalb, weil wir bei jedem Council allen Menschen, allen Wesen um uns herum zuhören, ebenso wie wir den Ort und die Zeit einbeziehen. Wenn ein Vogel herein fliegt, wird er zum Teilnehmer. Wenn ich in einer Schulklasse mitten in Los Angeles sitze, ist das Chaos, das um uns herum herrscht, Bestandteil des Council. Alles hat Einfluss, die Zeit, der Ort und alle Wesen.
Brauchen wir dieses Werkzeug heute mehr als früher? Kehrt da was zurück in die Moderne und wird wiederentdeckt?
Als wir all diese Schießereien in amerikanischen Schulen hatten, von denen Sie vielleicht gehört haben, gab es plötzlich eine Riesennachfrage nach solchen Kreisen. Nach dem letzten Erdbeben in Los Angeles kamen viele zur Ojai Foundation und suchten Zuflucht, nicht nur, um in Sicherheit zu sein, sondern auch um mit anderen Betroffenen zusammen über das, was passiert war, zu sprechen. Es sind auch schon afghanische Flüchtlinge zu uns gekommen, weil es sonst nirgendwo einen Platz gab für ihre Geschichte. Ich will aber weder voraussagen, noch beurteilen, ob es sich nun gerade um ein neuerwachtes Interesses handelt. Das ist wie mit dem Ozean: mal kommt eine kleine Welle, dann ein Riesenbrecher. Diese Form des Council hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ob das nun zu- oder abnimmt – keine Ahnung. Was ich jedoch sicher weiß ist, dass ich weiter damit leben werde, und für jeden da sein werde, der dazu kommen möchte.
In Ihrem Buch beschreiben Sie ausführlich alle Formen von Council. Ich selber habe das Gefühl, dass diese Form des miteinander Sprechens uns im Blut liegt, in unseren Genen verankert ist, und dass wir im Grunde unseres Herzens alle wissen, worum es geht. Vielleicht muss man gar kein Spezialist sein, um Council praktizieren zu können.
Nachdem wir viele Jahre diese Form der Kommunikation gelebt hatten, wollten wir denen eine Hilfestellung geben, die sich darin üben möchten – so entstand das Buch. Viele Menschen praktizieren diese Gesprächsform und Gott sei Dank macht es jeder auf seine Weise.
Jack Zimmerman und ich haben das Buch geschrieben, weil wir dachten, es gibt noch mehr zu lernen und wir können damit zu mehr Übung anregen. Außerdem hatten wir auch andere Council-Formen erprobt, die uns hilfreich erschienen, und wir wollten Menschen in allen Lebenssituationen unterstützen. Das Buch soll bei der praktischen Anwendung eine Hilfe bieten. Wir haben es als eine Art Arbeitsbuch konzipiert. Seitdem haben wir noch viele weitere Varianten ausprobiert, zum Beispiel Council mit Gesten oder mit Tönen. Wir müssten eigentlich eine Neuauflage oder Fortsetzung schreiben, aber wir machen gerade ständig Council und haben gar keine Zeit dazu.
Ich bin überzeugt, die Kreisform ist in unseren Genen verankert. Es ist wie mit der Meditation – je mehr Zeit man mit Üben verbringt, desto größer wird der Einfluss auf das eigene Leben. Ich denke aber auch, dass es verschiedene Formen des Lernens gibt. Jeder kann sich setzen, sich auf seinen Atem konzentrieren, und die Stille wahrnehmen. Es ist einfach, zu meditieren, und dennoch gibt es immer noch etwas zu lernen. Genauso einfach ist es, im Kreis zusammen zu kommen, aber wenn man sich voll darauf einlässt, wird man feststellen, dass es immer noch viel zu lernen gibt.

